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Neujahrsansprache 2012

Neujahrsansprache 2012

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Geschrieben von: Jürg Schumacher   
Mittwoch, den 04. Januar 2012 um 08:53 Uhr

Liebe Märstetterinnen und Märstetter, liebe Gäste

„Jeder möchte die Welt verbessern und jeder könnte es auch, wenn er nur bei sich selber anfangen wollte.“

Mit diesem Zitat des bekannten österreichischen Schriftstellers Heinrich Waggerl begrüsse ich Sie ganz herzlich zum diesjährigen Neujahrsapéro der Politischen Gemeinde Märstetten. Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien und Freunden von Herzen alles Gute zum Neuen Jahr 2012!

Sie haben sicher bemerkt, dass wir auch in diesem Jahr wieder die besten Plätze für unsere neuen Einwohnerinnen und Einwohner reserviert haben. Gerne möchte ich deshalb an dieser Stelle unsere Neuzuzüger-Familien ganz speziell in unserer Gemeinde willkommen heissen:

„Jeder möchte die Welt verbessern und jeder könnte es auch, wenn er nur bei sich selber anfangen wollte.“

Mit Ihrer Teilnahme am Neujahrsapéro haben Sie – geschätzte Damen und Herren, liebe Kinder – bei sich selber angefangen und mit dem einen wichtigen, ersten Schritt gemacht: Sie nehmen aktiv am Märstetter Dorfleben teil. Dafür danke ich Ihnen herzlich! Denn gerade für eine grössere Landgemeinde, die rasch wächst, ist der Zusammenhalt in der Bevölkerung, die Pflege guter Kontakte und nach Möglichkeit die aktive Teilnahme am Vereins- und Dorfleben besonders wichtig.

Bei der kleinen Feier zur Einweihung des Adventsbrunnens auf dem Dorfplatz, welche jährlich stattfindet, hat unser Gemeinderat Werner Lenzin die neue Pflästerung rund um den Dorfbrunnen mit einem Mosaik verglichen und darauf hingewiesen, dass jedes Mitglied unserer Gemeinde im übertragenen Sinne ebenfalls ein Teil – ein wichtiges Mosaiksteinchen - unseres Dorfes sei. Sie als neue Einwohnerinnen und Einwohner bringen neue Gesichter, neue Ideen und neues Leben in unsere Gemeinde – und, was uns bzw. Die Schulbehörden ganz besonders freut – auch Nachwuchs für unsere Schulen in Märstetten und Ottoberg.

Wir, – und damit meine ich nicht nur die Politische Gemeinde, sondern auch unsere Vereine – wir freuen uns darauf, wenn Sie nicht nur heute, sondern auch in Zukunft an unseren Anlässen, Versammlungen, Unterhaltungen und Festen im Dorf aktiv teilnehmen. Auch unsere Feuerwehr könnte noch weitere Verstärkung brauchen. Wir freuen uns auf Sie!

Damit zurück zur eigentlichen Neujahrsansprache: Der Jahreswechsel ist bekanntlich immer der Zeitpunkt, an dem man zurückschaut und sich fürs Neue Jahr gute Vorsätze fasst – vielleicht auch mit der Idee, „die Welt zu verbessern und bei sich selber anzufangen“.

Ist Ihnen heute um Mitternacht etwas Spezielles aufgefallen? Nein? Es ist aber in Märstetten etwas passiert - allerdings hätte Ihnen dies gar nicht auffallen können. Um die Spannung noch ein bisschen aufrecht zu erhalten, erzähle ich Ihnen deshalb zuerst eine wahre Geschichte:

Wir Menschen neigen bekanntlich dazu, schlechte Erlebnisse rasch zu verdrängen oder zu vergessen. Trotzdem wird das Jahr 2011 als Jahr des Umdenkens in die Geschichte eingehen: Erinnern Sie sich noch an ein Ereignis, welches im März 2011 passiert ist und unsere Welt verändert hat? Nein?

  • Am 9. März 2011 hat ein Seebeben die nordöstlichen Gebiete von Japan erschüttert. Trotz der erheblichen Stärke von 7.3 ist dieses Beben in Japan nicht gross beachtet worden, denn Erdbeben gehören in dieser Region zum normalen Leben und fast alle Bauten sind so gebaut, dass möglichst nichts passieren kann. So werden z.B. die Hochgeschwindigkeitszüge automatisch zum Stillstand gebracht.
  • Zwei Tage später, am Freitag, 11. März ereignete sich dann das Unfassbare: Ein weiteres Erdbeben vor der Küste Japans mit der unglaublichen Stärke 9 veränderte die Welt.23 Sekunden nach dem Beben erreichten die ersten Erschütterungen das Atomkraftwerk Fukushima und haben  offenbar mehrere interne Kühlkreisläufe zerstört.
  • Man hatte es – aus was für Gründen auch immer - nicht für nötig gefunden, Fukushima an das weltweite Tsunami-Warnsystem anzuschliessen.Darum wird das Atomkraftwerk 40 Minuten später von einer ersten, 4m hohen Flutwelle überrascht, welche sämtliche wichtigen Kühlsysteme lahm legt.
  • Dann - nur Minuten später passiert das Unglaubliche: Mehrere Tsunami-Wellen mit 13 bis 15 m Höhe überrollen das gesamte Areal des Kernkraftwerks Fukushima und zerstören alles, was sich ihnen in den Weg stellt. Die Notstromversorgung und damit die gesamte Notfalltechnik fällt nun auch noch aus.
  • Ganze 56 Minuten nach dem Erdbeben muss der Betreiber einen nuklearen Notfall melden: Die Reaktoren sind ausser Kon­trol­le geraten und die Welt hat eine weitere Atomkatastrophe.
  • In der Politik, Energiewirtschaft und in der Gesellschaft setzt – mindestens mehrheitlich - ein Umdenken ein.

Umstellen, Umdenken ist schwierig: Mich persönlich hat darum die Aussage eines bürgerlichen Ständerats, der sich früher klar für die Atomenergie eingesetzt hat, ganz besonders beeindruckt. Er hat sinngemäss Folgendes gesagt:

„Man hat mich als Wendehals bezeichnet, weil ich meine Haltung zur Atomenergie geändert habe. Ich bin anderer Meinung: Man ist nie zu alt, um dazu zu lernen. Nach dem Unfall im amerikanischen AKW Harrisburg im Jahr 1979 habe ich mir gesagt „Das passiert nie mehr, jetz haben wir die Technik im Griff“. Dann kam 7 Jahre später die Katastrophe im russischen Tschernobyl. Wieder habe ich mir gesagt „Ist ja klar, bei einer so alten, russischen Anlage. In einem modernen Land wäre so etwas nicht passiert“. Jetzt ist es wiederum geschehen – und diesmal in einem hoch industrialisierten Staat wie Japan, der technologisch mindestens auf dem Stand der Schweiz ist. Ich bin der Meinung, dass 3 Atomunfälle genug sind! Jetzt ist Umdenken angesagt, wenn ich meinen Kindern und Enkeln noch mit gutem Gewissen in die Augen schauen will!“ (Zitat eines Ständerats)

Für mich beweist so ein Mensch wahre Grösse: Statt stur am bisherigen Kurs festzuhalten, steht er öffentlich dazu, dass er sich getäuscht hat und eben jetzt umdenken muss.

Aber umdenken muss nicht nur die Politik: Umdenken müssen auch wir. Jeder Einzelne von uns muss seinen Beitrag leisten. Denn ein Ausstieg aus der praktischen, ständig verfügbare und komfortablen Atomenergie ist nicht gratis zu haben – und mit „gratis“ meine ich nicht primär den Preis für elektrischen Strom. Nein – jetzt ist aktives Mitdenken und Mitsparen angesagt: Allein durch den Ausbau von alternativen Energien wie Solarstrom, neue Wasserkraftwerke und Biogasanlagen lässt sich die Lücke, welche die Atomkraft hinterlassen wird, nicht ausgleichen. Wir alle müssen Strom sparen und generell lernen, verantwortungsbewusster mit Energie umzugehen.

Damit komme ich zurück zum Ereignis der vergangenen Nacht, von welchem Sie nichts bemerkt haben: Der Gemeinderat Märstetten hat im vergangenen Sommer einen wegweisenden Entscheid gefällt. Das EW Märstetten liefert seit heute, 1. Januar 2012 nur noch Strom aus Wasserkraft (mit einem kleinen Anteil Solarenergie). „Strom aus Wasserkraft“ tönt zwar gut und beruhigt das Gewissen. Allerdings ist es damit nicht getan: Es steht in der Schweiz nicht genügend umweltfreundliche Energie für alle Einwohner zur Verfügung.

Gerne mache ich darum heute Werbung für eine weitere Aktion der Gemeinde Märstetten: Als 2. Schritt in die richtige Richtung hat der Gemeinderat den Wettbewerb „Ich spare 20% Strom“ lanciert, an welchem alle Haushalte in unserem Gemeindegebiet teilnehmen können. Sie haben dies sicher im letzten „Dorfgspröch“ gelesen. Die besten 3 Haushalte erhalten ein Jahr lang gleich viel Strom (samt Nebenkosten) gratis, wie sie 2012 verbraucht haben. Aber auch alle Anderen, die 20% oder mehr Strom eingespart haben, erhalten einen kleinen Sachpreis. Im Übrigen profitieren natürlich alle Teilnehmer vom Wettbewerb, weil die Stromrechnung deutlich tiefer ausfallen wird!

„Jeder möchte die Welt verbessern und jeder könnte es auch, wenn er nur bei sich selber anfangen wollte.“

Machen also auch Sie mit – und sparen Sie schon jetzt Strom! Das Anmeldeformular bekommen Sie mit der Stromrechnung etwa Mitte Januar – aber die Messung läuft bereits jetzt! Haben Sie übrigens zu Hause alle Lichter gelöscht, bevor Sie hierher an den Neujahrsapéro gekommen sind ... ?

Damit komme ich zum Dank, welchen ich ausnahmsweise in Kurzform sagen möchte: Ich danke allen Einwohnerinnen und Einwohnern, welche sich im vergangenen Jahr in Behörden, Vereinen, Firmen und Organisationen - in welcher Form auch immer - für unser schönes Dorf eingesetzt haben – und dies hoffentlich auch weiterhin tun werden - ganz herzlich. Wie ich am Anfang gesagt habe, ist die Zusammenarbeit und der Zusammenhalt für eine Gemeinde ganz besonders wichtig. Dies unterscheidet eine Landgemeinde von einer Stadt, dies macht ein Dorf sympathisch, attraktiv, lebens- und liebenswert! Sie alle sind ein Teil davon, und ich danke Ihnen ganz herzlich dafür, dass Sie heute hierher gekommen sind, um auch das zu pflegen, was ebenfalls die Grundlage eines guten Dorflebens bildet: Das gesellige Zusammensein, der persönliche Kontakt – also das „Miteinander“!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen nochmals ein gutes, neues Jahr. Ich freue mich auf weitere Gespräche mit Ihnen! Herzlichen Dank!

Jürg Schumacher, Gemeindeammann

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 01. Februar 2012 um 18:15 Uhr