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Zeichnung des Amtes für Archäologie Thurgau: So könnte die älteste Burg im Thurgau um 1200 ausgesehen haben

Die politische Gemeinde Märstetten und die Bürgergemeinde Märstetten luden am Samstag nach einer zweijährigen Bauphase zusammen mit dem Amt für Archäologie ein zur Einweihung der hoch über dem Kemmenbach liegenden sanierten Ruine Altenburg zwischen Märstetten und Hugelshofen. 

Eine grosse Schar von Interessierten versammelt sich am Samstagmorgen gegen die Mittagszeit bei der Mehrzweckhalle Weitsicht. Alle hatten ein besonderes Ziel: gemeinsamer Fussmarsch hinauf zum Burgstock zur sanierten Ruine Altenburg. Diese erstrahlt nach einer zweijährigen Sanierungsarbeit in altem Glanz. Damit wollen die Verantwortlichen der Gemeinde künftigen Generationen eine wichtige geschichtliche und historische Stätte erhalten. Die Initiative für das ganze Projekt lancierte Gemeindepräsident Jürg Schumacher: «Beim Recherchieren der mittelalterlichen Geschichte unseres Dorfes kam ich auf die Idee, die Ruine zu sanieren». Bereits im Vorfeld der Bauarbeiten hatte ein Bauunternehmen ein Bollensteindepot angelegt und laut Schumacher trat die politische Gemeinde Märstetten als Bauherr auf, während das Amt für Archäologie für die ganze Projektleitung und die Organisation verantwortlich zeichnete.

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Ein Juwel mehr ...

«Ich war vor über einem halben Jahrhundert erstmals mit meinem Vater hier und darf sie heute auf Bürgerboden begrüssen», wandte sich Bürgerpräsident Adi Heer an die Gäste. Er erinnerte daran, dass Gemeindepräsident Jürg Schumacher vor Jahren mit der Bitte an ihn herantrat, die Altenburg aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken. In der Folge habe die Gemeinde das Heft in die Hand genommen und die Realisierung ermöglicht. Heer gab der Hoffnung Ausdruck, dass diese Ruine und die hinaufführende «wunderschöne» Brücke noch viele Jahre stehen mögen.

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«Der Boden und die Ruine gehören der Bürgergemeinde, was man im Boden findet dem Kanton und uns als Gemeinde gehört nichts», schmunzelte Gemeinderat Nathanael Huwiler, zuständig im Rat für Kultur und Sport. «Ein schöner Tag, weil ein solches Projekt realisiert und die Finanzierung gesichert werden konnte», freute sich Huwiler. Er betonte, dass für diese Sanierung ein gangbarer Weg gefunden und das Militär gewonnen werden konnte. Ein wichtiger Faktor war für ihn auch die fachmännischen Wiederaufbauarbeit von Christof Schenkel. Für Huwiler ist aus Steinhaufen, Gräben und Hügeln eine Anlage entstanden, die Geschichte erlebbar macht. Er erwartet in den kommenden Jahren Schulklassen und Besucher, die sich über die Ruine freuen und ist überzeugt davon: «Märstetten hat ein Juwel mehr».

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Bild: Die mustergültig restaurierte Südost-Ecke der Altenburg (Foto: Amt für Archäologie Thurgau)

Kantonsarchäologe Hansjörg Brem wusste vor zweieinhalb Jahren noch nicht was kommt und bezeichnete die Sanierungsarbeiten als eine Geschichte der Überraschungen. «Der Gemeindepräsident hat mich unermüdlich immer wieder aufgefordert, meine Energie in die Geschichte der Burg zu investieren», erinnerte sich Brem, überzeugt davon, dass es nur Sinn macht, etwas zu erhalten, wenn man Freude hat daran. Bezugnehmend auf die Geschichte der beiden offensichtlich verschwundenen Löwen aus den einstigem Grabungen durften die Hauptbeteiligten der Sanierung aus den Händen des Kantonsarchäologen einen kleinen «goldenen» Löwen in Empfang nehmen.

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Bild: Kantonsarchäologe Hansjörg Brem übergibt Gemeindepräsident Jürg Schumacher symbolisch die Kopie eines goldenen Löwen (Alle Fotos: Werner Lenzin)

Schriftliche Berichte und Pläne

«Gemäss unseren Radio-Carbon-Datierungen muss der Baubeginn der Altenburg ausgehend 8. Jahrhundert und spätestens im 9. Jahrhundert angesetzt werden», erklärte Simone Benguerel, Leiterin Archäologie beim Amt für Archäologie. Sie führte die 100 Besucherinnen und Besucher zusammen mit Hansjörg Brem, Kantonsarchäologe, und Thomas Keiser, zuständig für die eigentlichen Grabungsarbeiten durch die Ruinenanlage. Gemäss Benguerel muss die Burg um 1200 gezielt geräumt und verlassen worden sein. Es wird vermutet, dass die späteren Bewohner der Burgstelle Altenklingen, die Vorgängerin des heutigen Schlosses, die Altenburg erbaut haben.

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Zwischen 600 und 700 Jahren geschah nichts, bis zwischen 1903 und 1907 die drei Sekundarschüler Hermann Kesselring, Emil und Heinrich Heer zu graben begannen und am Schluss das Landesmuseum 1910 weitere Grabungen ausführte. Das schönste Objekt, ein goldener Löwe, wurde im Landesmuseum aufbewahrt und dort später entwendet.

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«Dann geschah hundert Jahre nichts mehr, die Mauern litten unter den sporadischen Besuchern und wurden überwachsen», sagt die Archäologin und unterstreicht: «Dank der politischen Gemeinde und der Bürgergemeinde kam der Stein ins Rollen». Zuerst begannen die Archäologen mit kleinen lokalen Freilegungen und überprüften den Zustand der Mauern. Als wichtige Vorlagen dienten bei den Restaurierungen die schriftlichen Berichte der Altgrabungen und die Pläne sowie die im Auftrag des Landesmuseums durch einen Fotografen damals erstellen Zustandsaufnehmen von 1910. «Der Turm und der Palas, die beiden Hauptteile, waren am Zerfallen und hier bestand ein grosser Handlungsbedarf», erklärt Benguerel. Sie bezeichnet die Altenburg als eine der frühesten Burgen im Thurgau.

Spanferkel und mittelalterliche Klänge

Um die Mittagszeit liessen sich die begeisterten Besucher inmitten der alten Gemäuer auf den Bänken nieder und genossen das Fleisch vom Spanferkel zu den Klängen des Quartetts «L’alta Bellezza», zwei Musikerinnen und zwei Musiker aus Grossbritannien, den USA, Italien und Deutschland, die mit ihren mittelalterlichen Instrumenten die entsprechenden Klänge in der Ruinenanlage erklingen liessen.